Geschichte

1938 – 1986 

Aus der Heimatchronik I  der Gemeinde Rastdorf von Pfarrer Hermann Behnen (+2003)

Die Kirchengemeinde Rastdorf ist jüngeren Datums. Bald nach der Umsiedlung von Bauern- und einigen Handwerksstellen aus dem Gebiet der heutigen Erprobungsstelle in das neue, durch die Reichsumsiedlungsgesellschaft („Ruges“) aufgekaufte bzw. enteignete Siedlungsgebiet Rastdorf versetzte der damalige Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, den Kaplan von Emsbüren, Johannes Sierp aus Borgloh, als ersten Seelsorger nach Rastdorf. Die ersten Siedler im Norden des sich über etwas zwölf Kilometer erstreckenden Gebietes waren schon 1939 eingetroffen. Deshalb war beim Eintreffen von Kaplan Sierp am Karfreitag 1941 (14. April) im Norden auch schon eine Schule eingerichtet. Dort in der Schule Gottesdienst zu halten oder Religionsunterricht zu erteilen war von den Nazis verboten worden. So suchte sich Kaplan Sierp in der Dorfmitte, wo der Aufbau auch bald beendet war, bei Privatleuten eine Wohnung und einen Behelfsgottesdienstraum. Er wohnte bei Familie Bahlmann und konnte mit Hilfe der Gemeindemitglieder auf der fast fertigen Diele des Siedlers Rehnen einen armseligen Gottesdienstraum einrichten. Der Vergleich mit dem Stall von Bethlehem klingt in der von Sierp begonnenen Kirchenchronik an. Viele kirchliche Gebrauchsgegenstände ließ er von Werlte, Lorup, Emsbüren (seine letzte Kaplanstelle) und von seiner Heimatgemeinde Borgloh schenken. Von der Kirche in Alt-Wahn bekam er zunächst einen Seitenaltar (St. Josef) und einige alte Bänke, die später zusammen mit den von Herrn Rehnen gezimmerten Bänken in der zweiten etwas größeren Notkirche in der Scheune des Kaufmanns Berens aufgestellt wurden. Die Diele Rehnen wurde geräumt, weil die Wintervorräte für das Vieh dort eingebracht werden mussten.In der Kirchenchronik heißt es: „Vater Rehnen trug am 16. Oktober 1941, einem stürmischen Herbstabend, die Versehlaterne und begleitete nach der Andacht das Allerheiligste zur neuen Notkirche.“ Die Not wegen anfänglicher Geldknappheit bei den Umsiedlern in Rastdorf, die Not des Krieges, das Leid der Angehörigen von zahlreichen Gefallen bedrängten die junge Gemeinde und ihren Seelsorger. Aber die Kraft des Glaubens und der Wille zum Opferbringen überwand nach und nach alle Gegensätze und Uneinigkeiten innerhalb der Gemeinde und auch alle Angriffe von außen, von religionsfeindlichen Kreisen, die vor allen Dingen auch das segensreiche Wirken von Kaplan Sierp, Lehrer Rump und Mittelschullehrer Droste, der das Harmonium bei den Gottesdiensten spielte zu stören versuchten. Eine durch Gerichtsurteil über Kaplan Sierp verhängte Geldstrafe, die er wegen Streitigkeiten um einige kirchliche Geräte aus der Wahner Kirche erhielt, wurde durch Bischof Berning beglichen.

Nach dem Krieg und nach Beendigung der Naziherrschaft dachte man in Rastdorf an einen Kirchenneubau. Ein Gelände von 1,5 Hektar, das im Rahmen des Ausgleichs für Kirchenland in Alt-Wahn der Rastdorfer Kirchengemeinde übereignet worden war, stand für Kirche, Kirchplatz, Pfarrhaus und Garten zur Verfügung. Es lag in der Mitte des Dorfes und wurde nach einigen Auseinandersetzungen dann auch als Bauplatz für eine neue Kirche bestimmt.

Ein Entwurf des Architekten Sunder-Plaßmann, Cloppenburg, wurde von den zuständigen Stellen angenommen. Im Advent 1947 wurden für den Bau der neuen Kirche die erste Haussamlmung gehalten. Sie erbrachte 87.450,00 RM. Einige Baumaterialien konnten gekauft werden. Butter, Speck und Korn halfen nach. Dann kam die Währungsreform, und Rastdorf zeigte sich mit dem neuen Geld auch so opferfreudig, dass am dritten Pfingstag 1949 (7. Juni) die neue Kirche durch den Hochwürdigsten Bischof Dr. Berning eingeweiht werden konnte. Die Zeit der Notkirche war vorbei. Am Abend des Weihetages wurde nach einer Dankandacht zu den Häusern Rehnen und Berens je eine Gedenktafel gebracht, als Zeichen des Dankes und des Gedenken der Pfarrgemeinde für uneigennützigen Gemeinschaftssinn. Inzwischen war Pastor Sierp auch von der gastfreundlichen Familie Bahlmann in das mit Diözesangeldern erbaute Pfarrhaus eingezogen. Es war sehr klein und ist inzwischen erweitert und renoviert worden.

Da die alten Pfarrechte von Wahn an Rastdorf fielen, wo etwas ein Drittel der Neusiedler aus Wahn wohnen, wurde auch die Kirchengemeinde Rastdorf mit der Weihe der neuen Kirche zur Pfarrei erhoben und Kaplan bzw. Pastor Sierp zum Pfarrverweser ernannt. Er war elf Jahre in Rastdorf und hat mit bewundernswerter Energie und Beharrlichkeit am inneren und äußeren Aufbau dieser jungen Gemeinde gearbeitet. Sein Nachfolger war Pfarrer Oldopp aus Spahnharrenstätte. Seine seelsorgliche Tätigkeit währte von 1952 bis 1960. Sein Leib ruht auf dem Friedhof in Rastdorf. Er ließ das allzu kleine Pfarrhaus erweitern.

Am 4. April 1960 kam der Neupriester Hermann Kremer nach Rastdorf. Der schwererkrankte Pfarrer Oldopp empfing ihn mit den Worten: „Herzlich willkommen, ich kann nichts.“ Heute ist Hermann Kremer Pfarrer in St. Marien Papenburg. Gern erinnert er sich an seine erste seelsorgliche Tätigkeit in Rastdorf, die bis zum 25. November 1960 dauerte.

Im Jahre 1960 kam Pastor Behrens von Lehrte nach Rastdorf. Er wirkte 13 Jahre in der Gemeinde und musste wegen Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand treten. Sein Augenmerk richtete er besonders auf die liturgische Erneuerung. So setzte er sein anerkanntes Wissen und Können in diesem Bereich mit Eifer ein, um die Neugerstaltung des Altarraumes nach den Richtlinien des Vatikanum II durchzuführen. Er starb in seiner Heimat Emsbüren.

Nach halbjähriger Vakanz erhielt Rastdorf in Pfarrer Pobozyni einen Seelsorger, der nach der Vertreibung aus dem Emsland vorwiegend Flüchtlingsseelsorger in Schleswig-Holstein und Ostfriesland gewesen war. Seine Tätigkeit endete ebenfalls vorzeitig mit einer Erkrankung. 1973 bis 1981 war die Zeit seines erfolgreichen Wirkens in Rastdorf. Besonders die älteren Leute haben ihm eine Träne nachgeweint. Das Pfarrheim wurde zu seiner Zeit gebaut.

Damit endete zunächst die Zeit der fest angestellten Pfarrer in Rastdorf. Der Priestermangel – auch in der Diözese Osnabrück – ist inzwischen so groß geworden, dass Pfarrgemeinden in der Größenordnung von etwa 1500 bis 1800 Seelen keinen eigenen Geistlichen mehr bekommen. Als Pfarrverweser wirken in solchen Gemeinden gewöhnlich Pfarrer von Nachbargemeinden, wie z. B. der Pfarrer von Vrees, Josef Klekamp, seit 1982 in Rastdorf.

Von 1981 bis 1982 wirkte hier der für ein Jahr frei gestellte Kaplan Dziwisch. Mit viel Energie bereitete er zusammen mit dem Kirchenvorstand die dringend notwendig gewordene Renovierung der Pfarrkirche vor. Dank der Spendenfreudigkeit der Gemeindemitglieder konnte der erste Bauabschnitt bis zum Fortgang von Kaplan Dziwisch fast fertig gestellt werden.

In Rastdorf wohnen derzeit 1000 Einwohner, davon ca. 830 Katholiken.


Pfarrverweser 1941 bis heute

Pfarrer i. R. Josef Klekamp (1982 – heute)

klekampSchon am 1. Juli 1982 hatte der Bischof von Osnabrück den Pfarrer von Vrees, Pastor Klekamp, auch zum Pfarrer von Rastdorf ernannt. Damals wie heute sieht er sich als Diener des dreieinigen Gottes, bestellt zum Aufbau des Reiches Gottes auf Erden. Als Priester versucht er nur das zu sein.

Die baulichen Veränderungen gingen unter Pfarrer Klekamp weiter. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf das Innere der Kirche, die er zur „besten Stube“ der Gemeinde machen wollte. Das Gotteshaus sollte einladend, schlicht und fromm wirken, eben ein Haus, das dem Vatergott würdig ist.

Die Kirchengemeinde versuchte er – wie Paulus lehrt – zu einem „Tempel des Heiligen Geistes“ aufzubauen, bestehend aus „lebendigen Steinen“. Der Schritt von der versorgten zur sorgenden Kirche musste vollzogen werden. Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, wo Krisen beständige Begleiter der Kirche sind. Dennoch, ein guter Anfang ist gemacht worden.

Als der Bischof von Osnabrück Pastor Klekamp bei der Visitation im Jahre 1999 fragte, wie es in der Gemeinde um die Zahl der Kirchenbesucher stehen, bekam er eine ehrliche Antwort, die latuete „Quantitativ schrumpft sie, aber qualitativ wächst sie!“ Pastor Klekamp sieht darin einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft der St. Mariengemeinde in Rastdorf.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Pfarrer Hermann Behnen +2003 (1983 – 1997)

behnenIm Reigen der Rastdorfer Geistlichen darf Pastor Hermann Behnen nicht fehlen. Bereits im Ruhestand, kam er am 28. Januar 1983 nach Rastdorf in das leer stehende Pfarrhaus. Die Gemeinde freute sich sehr, und nicht selten war zu hören: „Wir haben wieder einen neuen Pastor“. Ihm tat dieser warme Empfang gut, und gern stand er den Rastdorfern als Priester und Ansprechpartner zur Verfügung.

Zu seinem goldenen Priesterjubiläum, das er am 17. Dezember 1988 unter großer Beteiligung der Pfarrgemeinde in der Rastdorfer Kirche feierte, schrieb ihm der Bischof von Osnabrück unter anderem: „Dank Ihrer kernigen Frömmigkeit, Ihres ausgeglichenen Charakters, der sich in Gradheit, Freundlichkeit und Offenheit zeigt, haben Sie sich auf allen Stellen, die Ihnen durch das Vertrauen des Bischofs übertragen wurden, Anerkennung und Respekt sowie Zuneigung erworben.“

Die Zeit seines Ruhestandes in Rastdorf wurde die schönste Zeit seines Priesterlebens. Frei von Verantwortung konnte Pfarrer i. R: Hermann Behnen über 14 Jahre hindurch ganz Seelsorger sein.

Am Herz-Jesu-Freitag 1997 (5. September) brachte Pastor Behnen die Krankenkommunion aus. Dabei hatte er einen Verkehrsunfall, von dem er sich nicht wieder erholt hat. Von da an lebte er im Alten- und Pflegeheim St. Raphaelstift in Werlte. Er selbst schrieb schon 1995: „Ich bin der Überzeugung, dass es der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dienlich ist, solange der Herr sie mir schenkt bzw. zum Einsatz bringen lässt.“ – Ein schöner Festtag war Pfarrer i. R. Hermann Behnen dann noch im Dezember 1998 vergönnt, als er in Rastdorf sein diamantenes Priesterjubiläum feierte. Er starb im Jahre 2003 und fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof in Rastdorf.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Kaplan Christoph Dziwisch (1981 – 1982)

dziwischZeitig zum Fronleichnamsfest 1981 kam Kaplan Christoph Dziwisch als Pfarrverweser nach Rastdorf. Als guter Organisator überblickte er schnell die Notwendigkeit der Kirchenrenovierung und nahm sie tatkräftig in Angriff. In der ordentlichen Seelsorge hielt er das Gewohnte aufrecht, übernahm aber keine Eigeninitiativen. Er wusste, dass seine Zeit in Rastdorf sehr beschränkt war.

Kaplan Dziwisch begann eine gründliche Außenrenovierung der Pfarrkirche. Bei dieser Arbeit wurde fast die ganze Gemeinde in irgendeiner Form tätig, sogar die Jugendlichen. Sehr viel hat er aufgearbeitet, was schon lange hätte getan sein müssen.

Als er nach gut einem Jahr am 25. Juli 1982 als Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Timmendorfer Strand übernahm, war eine gründliche Außenrenovierung der Pfarrkirche fast abgeschlossen. Dafür sei ihm von dieser Stelle aus ein besonderer Dank gesagt.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Pfarrer Josef Pobozyni +2003 (1973 – 1981)

pobozyniEndlich am 4. Oktober 1973 konnte die Gemeinde dem neu ernannten Pfarrer Josef Pobozyni einen festlichen Empfang bereiten. Als Flüchtlingspriester aus Ostpreußen hatte er bis dahin in der Diaspora unserer Diözese gewirkt. Sein Wesen war mehr still, den Mitmenschen zugewandt. Dabei konnte er sich selber vergessen. Als Priester war er ganz Seelsorger. Alles, was nicht direkt kirchlich war, lehnte er ab. Notwendige kirchliche Instandsetzungsarbeiten oder Neubauten (z. B. Errichtung des Pfarrheims oder die Installierung einer neuen Kirchenheizung) überließ er weitmöglichst dem Kirchenvorstand.

In der Bußzeit 1976 versuchte er durch einen Fastenprediger eine Erneuerung der Gemeinde zu erreichen. Doch die Predigten wurden nicht gut besucht. Von einer Volksmission im Jahre 1977 erhoffte er sich eine bessere Resonanz, die aber auch nicht die gewünschten Erwartungen erfüllte. Pfarrer Poboziny schrieb enttäuscht: „Es bleibt leider ein Rest, der auch durch solche besonderen Veranstaltungen heute nicht mehr erreichbar ist.“

Seine Gesundheit war nicht sehr stabil. 1975 und 1980 musste er für einige Monate krankheitshalber die Arbeit ruhen lassen. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass er immer zurückhaltender wirkte.

Im Jahre 1981 bat er den Bischof um Versetzung in den Ruhestand. als Pfarrer i. R. lebte er zunächst in Borhnheim-Merten im Rheinland. Seinen Lebensabend verbrachte er in Wietmarschen und half in der Seelsorge, soweit er konnte und gebraucht wurde. Er verstarb im Jahre 2003.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Pfarrer Johannes Behrens +1977 (1960 – 1973)

behrensJohannes Behrens war der zweite Pfarrer von Rastdorf. Am 22. November 1960 bereitete ihm die Kirchengemeinde einen herzlichen Empfang. Die Einführungsfeier fiel fast mit seinem 50. Geburtstag zusammen, den er am 20. November gefeiert hatte. Er war mehr der Typ eines Pfarrherrn, selbstbewusst und sehr zielstrebig. Seine künstlerische Begabung machte ihn für die Aufgaben während und nach dem Konzil zu einem Geschenk des Himmels. Die Liturgiereform mit der Neugestaltung des Altarraumes und den neuen Formen in der Gottesdienstordnung hat er gleich in einer endgültigen Weise ausgeführt. Das behelfsmäßige Vortasten, wie in anderen Kirchengemeinden geschehen, hielt er für eine Geldverschwendung. Was die Rastdorfer allerdings auch heute noch sehr bedauern, ist, dass im Zuge dieser Neuordnung von der alten Schlaunschen Kanzel nur noch die Skulptur des Erzengels Michael und ein paar Engeslfiguren übrig geblieben sind.

Am 23. Februar 1969 wurde neben dem Kirchenvorstand auch der Pfarrgemeinderat konstituiert. Dieses Gremium musste erst noch seinen Platz und seine Aufgaben in der Kirchengemeinde finden. Unter seiner Führung war das schwierig.

Im Frühjahr 1971 konnte Pastor Behrens aus gesundheitlichen Gründen an den Sonntagen nur noch eine heilige Messe lesen. Die Vorabendmesse am Samstag blieb bestehen. Zugleich wurden Kommunionhelfer eingesetzt. Bernhard Brinker ist bis heute im Amt.

Ein Schlaganfall im Februar 1973 machte Pastor Behrens die Ausübung seiner Pfarrpflichten unmöglich. Er bat um die Versetzung in den Ruhestand. Der Bischof entsprach dieser Bitte. Zum 1. Mai 1973 verließ er seine Pfarrei St. Marien in Rastdorf. Die Pfarrstelle blieb für einige Monate unbesetzt.

In den zwölf Jahren seiner Pfarrtätigkeit hatte Pastor Behrens sehr viel geschafft. Am Ende bedrückte ihn dennoch eine große Sorge. Er schrieb: „Alles ist käuflich! Leider auch die Moral! Die kirchliche Seelsorgetätigkeit nimmt immer mehr kritische Zustände an. Glaubenskrise, Moralkrise und wie man sie nennen mag. Der Mensch im Wohlstand hat mit vielen Krisen zu kämpfen, obgleich ihm das so wenig bewusst wird. Der Christ wird in erschreckendem Maße durch den Einfluss der Massenmedien (Presse, Rundfunk und Fernsehen) weltbewusster und kirchennachlässiger!“. – In seiner Heimatgemeinde Emsbüren wurde er von seiner Haushälterin Anni Büter gepflegt und umsorgt. Er starb am 4. Oktober 1977.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Kaplan Hermann Kremer +1995 (1960)

kremerDer Bischof hatte so schnell keinen Ersatz für den verstorbenen Pfarrer Oldopp. Er schickte zur Aushilfe den Neupriester Hermann Kremer als Pfarradministrator nach Rastdorf. Die Last der ganzen Pfarrarbeit lag auf ihm. Er hat sie gern gemacht. Schnell hatte er sich eingelebt. Jugendlicher Übermut belastete ihn ohnehin nicht; als spätberufener Priester hatte ihn das werktätige Leben gereift.

Kaplan Hermann Kremer hat die Gemeinde Rastdorf, in der er seine ersten priesterlichen Erfahrungen sammeln durfte, nie vergessen. Er blieb nur gut ein halbes Jahr. Am 20. Oktober 1960 wurde er als Kaplan nach Rhede berufen. Als Pfarrer der St. Mariengemeinde in Papenburg starb er am 8. Dezember 1995.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Pfarrer Bernhard Oldopp +1960 (1952 – 1960)

oldoppPastor Bernhard Oldopp war der erste Pfarrer von Rastdorf. Als Pastor von Grafeld musste er im Jahre 1935 nach einer Predigt Hals über Kopf vor der Gestapo fliehen. Ein Kolpingsohn brachte ihn in einer Nacht- und Nebelaktion zu einem Apotheker in Aschendorf. Von dort wurde er nach Holland gebracht, wo er so lange blieb, bis keine Gefahr mehr für ihn bestand. Der Bischof ernannte ihn zum Pfarrer von Brual an der holländischen Grenze. Im Jahre 1952 kam er nach Rastdorf.

Bei seinem feierlichen Empfang sprach er zur Gemeinde: „Es ist meine Aufgabe, der Gemeinde Priester, Hirte und Lehrer zu sein“. Er war sachlich, nüchtern und zurückhaltend und verstand es dennoch seine Ziele durchzusetzen. Die von seinem Vorgänger vorbereitete und begonnene Arbeite brachte er zur Vollendung. Dazu gehörten die Erweiterung des Pfarrhauses, die Anlegung der Gartenfläche und die Pflasterung rund um die Kirche sowie die Errichtung des Friedhofkreuzes.

Während die äußerliche Gestaltung der Kirche immer vollendeter und schöner wurde, machte ihm das religiöse Leben der Gemeinde Sorgen. Eine Volksmission im mairanischen Jahr  1954 brachte zu seiner Freude eine wirkliche Erneuerung.

Trotz einer heimtückischen Krankheit hat Pfarrer Oldopp versucht, bis zu seinem Tode am 23. Juli 1960 seine Pflichten als Priester zu erfüllen. Was er am Tage der Einführung angekündigt hat, das hat er auch verwirklicht.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp


Pfarrer Johannes Sierp +1987 (1941 – 1952)

sierpZu den Rastdorfer Siedlern schickte der Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, einen jungen, tüchtigen, erst 29 Jahre alten Kaplan namens Johannes Sierp. Ihm traute der Bischof in der schwierigen Zeit der Naziherrschaft zu, die junge Gemeinde seelsorglich zu betreuen und eine neue Pfarrei aufzubauen.

Kaplan Sierp hatte vorher einige Jahre als Vikar in Emsbüren gearbeitet. Im April 1941 kam er nach Rastdorf. Die Nazis sahen ihn nicht gern und „wollten schon mit ihm fertig werden“. Die Siedler aber freuten sich sehr über sein Kommen und ließen ihm jede Hilfe zuteil werden. Mit gutem Erfolg baute Kaplan Sierp eine religiöse Gemeinschaft auf, obschon zuerst lediglich Behelfsgottesdiensträume zur Verfügung standen.

Nach dem Spuk der Nazizeit begann das freie, öffentliche Bekenntnis zur Kirche. Kaplan Sierp suchte feste Strukturen für das Gemeindeleben zu errichten und zugleich die notwendigen Gebäude aufzubauen. Unter großer  Eigenleistung der Rastdorfer Bevölkerung wurde im Jahre 1949 die Kirche fertig gestellt, allerdings zunächst noch ohne Turm. Obwohl die Pfarrei noch nicht errichtet war, ließ Kaplan Sierp schon im Jahre 1948 einen Kirchenvorstand wählen, der vom Konkordat für konstituierte Pfarreien vorgeschrieben war. Ihm oblag es, das Kirchenvermögen zu verwalten. Dieser stand dem Priester in dieser Zeit aber auch in seelsorglichen Fragen zur Seite. Einen Pfarrgemeinderat gabe es noch nicht.

Im Verlauf der Jahre kam es leider zu starken Reibereien zwischen Kaplan Sierp und Teilen des Kirchenvorstandes und der Dorfgemeinschaft. Die Anlässe, die dazu geführt haben, werden auch heute noch recht unterschiedlich dargestellt und sollen aus diesem Grunde nicht näher erläutert werden. Die Einigkeit und Einheit war dahin. Beide Parteien litten sehr darunter, doch eine Aussöhnung ist nicht zustande gekommen. 1952 wurde Kaplan Sierp nach Brual versetzt, wo er die dortige Pfarrei übernahm.

Als Pfarrer Sierp im Jahre 1960 erneut für Rastdorf vorgesehen war, haben einige Rastdorfer Gemeindemitglieder dieses mit einem Schreiben an den Bischof verhindert. So ist er nach Bawinkel gekommen und später nach Marhorst, wo er am 29. Oktober 1987 verstorben ist.

Fest steht in jedem Fall, dass Kaplan Sierp als Gründerpriester unendlich viel geleistet und die Rastdorfer Pfarrgemeinde ihm sehr viel zu verdanken hat. Es hat hier keinen weiteren Priester gegeben, der so viel an Entbehrung und Opfer ertragen hat wie er.

Aus der Heimatchronik II von Pfarrer i. R. Josef Klekamp